Mobile Menu

Andacht aus dem Kirchen­blatt April/Mai 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

er war ein Mensch, der es immer ganz genau wissen wollte. Er gab sich nicht ein­fach mit dem ab, was alle sagten. Er forschte nach. Er wollte Be­weise. Kennen Sie Men­schen wie ihn? Sind sie vielleicht selbst einer davon? Mir ist das erst ein­mal sym­pathisch. Ich stelle ihn mir als einen Menschen mit Tief­gang vor, keines­falls ober­flächlich. Thomas gehörte zum engsten Kreis um Jesus. Da waren ganz ver­schie­dene Typen ver­sammelt. Einer, der immer sofort das Wort ergriff (Petrus). Andere, die sich Gedanken um ihre Stellung in der Hie­rar­chie machen (Jako­bus und Jo­hannes). Und eben auch er, der Tief­gänger, der Selber­denker, der nicht-so-einfach-Glau­bende. Die Tradition hat ihm den wenig rühm­lichen Bei­namen »der Zweifler« gegeben. Oder auch: der un­gläu­bige Tho­mas. Ich denke, er war eher einer, der es genau wissen wollte.

Am Kar­frei­tag war Jesus auf schänd­liche Weise ver­ur­teilt und hin­ge­richtet worden. Unter seinen An­hängern war Trau­er und Ver­zweif­lung. Aber dann kam der Oster­morgen. Der auf­er­stan­dene Jesus be­geg­net vielen von ihnen, auch dem innersten Kreis, den 11 Aposteln. Nur Tho­mas war nicht dabei. Er hört die an­deren be­rich­ten: »Wir haben den Herrn gesehen.«, so sagen sie zu ihm. Aber er, der Tief­gänger, der alles-ganz-genau-wissen-Wollende an­twor­tete nur: »Wenn ich nicht seine Wunden sehe kann ich es nicht glauben.« Und da­bei bleibt er, mögen die anderen doch von ihren Er­fah­rungen er­zählen. Res­pekt. Das muss man erst mal drauf haben: Wenn alle A sagen, bleib ich bei B.

Acht Tage später begegnet der auferstandene Jesus auch ihm und geht auf ihn ein: »Nun sieh mich doch an, Thomas. Und fühle meine Wunden. Und sei nicht länger ungläubig, sondern komm zum Glauben.« Für Thomas ist das ein Wendepunkt. Und ohne genauer zu prüfen spricht er zu Jesus ein Bekenntnis: »Mein Herr und mein Gott.« Thomas kommt zum Glauben an den auferstandenen Jesus, weil er ihn gesehen hat. Aber Jesus sagt zu ihm (und zu uns): »Glückselig sind die, die mich nicht sehen und trotzdem glauben.« (Joh. 20, 29 Monatsspruch April) Nicht sehen und trotzdem glauben, das ist nicht einfach. Aber genau das ist unsere Situation. Wir sehen den auferstandenen Jesus nicht, manchmal zweifeln wir vielleicht an seiner Macht. Aber er ist trotzdem da. Er begegnet uns, wenn auch eher indirekt. In seinem Wort. In der Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, die sich in seinem Namen versammeln. In Brot und Wein, den Zeichen seiner Gegenwart.
Lassen Sie sich ganz herzlich einladen zu unseren Gottesdiensten zu Ostern.

Es grüßt Sie auch im Namen aller Kirchvorsteher und Mitarbeiter Pfarrer Tom Seidel aus Stolpen