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Andacht

Jahreslosung 2021

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Lukas 6, 36       


»Selig sind die Barm­her­zi­gen; denn sie wer­den Barm­her­zig­keit erlan­gen.« Dieser Satz aus der Berg­pre­digt kommt mir beim Lesen der Jahres­losung gleich in den Sinn. Matthäus hat ihn auf­ge­schrie­ben und etwas stört mich daran: Meine Barm­her­zig­keit als Vor­aus­setz­ung, um selbst barm­her­zig behan­delt zu wer­den? Bei Lukas klingt das ganz anders, ja gera­dezu umge­kehrt: »Seid barm­her­zig, wie auch euer Vater barm­her­zig ist.« Weil Gott sich mir barm­her­zig zuwen­det, kann ich barm­her­zig sein – zu mei­nen Mit­men­schen und auch zu mir selbst. Gott hat den Anfang gemacht. Die Weih­nachts­bot­schaft haben wir noch im Ohr: Gott wen­det sich uns zu. Er wird Mensch, klein und ver­letz­lich als Kind in der Krippe. In der Pas­sions­zeit den­ken wir an das Lei­den und Ster­ben des mensch­ge­wor­de­nen Gottes: Aus Gnade und Barm­her­zig­keit zu uns Men­schen stirbt Jesus am Kreuz.

Die Bibel erzählt von der Barm­her­zig­keit als einer grund­le­gen­den Eigen­schaft Got­tes. Wenn ich die Bot­schaft der Bibel höre oder lese, for­dert mich das zu einer Ant­wort, zu kon­kre­tem Han­deln her­aus. Erbar­men, sich mit dem Her­zen dem Ande­ren zuwen­den – darum geht es. Da sein, hel­fen, anpa­cken, zuhö­ren, mit­ei­nan­der schwei­gen, Dis­tanz hal­ten … all das kann Barm­her­zig­keit bedeuten.

Genauso wie Matthä­us stellt Lukas den Satz von der Barm­her­zig­keit mit­ten hin­ein in eine Rede Jesu. Hier ist es die soge­nannte »Feld­rede«. Auf einem ebe­nen Feld spricht Jesus zu einer gro­ßen Men­sch­en­menge. Wir lesen Sätze wie: »Selig seid ihr Armen; denn das Reich Got­tes ist euer.«, »Liebt eure Feinde …« oder »Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sol­len, so tut ihnen auch!«. Am Ende macht Jesus mit dem Gleich­nis vom Haus auf Fels gebaut und vom Haus auf Sand gebaut deut­lich, dass es darauf ankommt seine Worte nicht nur zu hö­ren son­dern vor allem danach zu handeln.

Men­schen, die nach den Wor­ten von Jesus han­deln, kön­nen viel ver­än­dern. Barm­herzi­ges Han­deln kann ent­waff­nend sein. Barm­her­zi­ges Han­deln for­dert zu einer Ant­wort heraus – im bes­ten Sinn. Barm­her­zig han­deln – ein­fach damit anfangen – kann unsere Welt ein Stück barm­her­zi­ger machen, jetzt schon. Selig sind die Barm­her­zi­gen; denn sie wer­den Barm­her­zig­keit erlan­gen – nicht nur für sich selbst. Tho­mas Lau­bach hat es in einem Lied­text so aus­ge­drückt:

Wo Menschen sich vergessen,
die Wege verlassen
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Friede werde unter uns.


Im Namen aller Mitarbeitenden grüßt Sie herzlich

Ihr Kantor Albrecht Päßler