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Andacht

Drrrrrrrr. Schrill dröhnt die Klingel durch die stille Wohnung.
Es ist mitten in der Nacht. Wer um alles in der Welt klingelt denn zu dieser Zeit? Verträumt gehe ich zur Sprechanlage. „Hallo, wer ist denn da?“
Einen Moment bleibt es still. Dann höre ich eine seltsam vertraute Stimme: „Ich bin es. Mein Name ist Ich-Bin-Da. Ich bin dein Gott. Ich komme, um bei dir zu wohnen. Freust du dich?“
Ob ich mich freue? Ehrlich gesagt fühle ich mich einfach nur überfordert. Unbeholfen antworte ich: „Ähm, das kommt jetzt ein bisschen überraschend. Da bin ich gar nicht drauf eingestellt.“
Am anderen Ende der Sprechanlage ertönt ein munteres Lachen: „Nun, ich mag es eben, zu überraschen. Machst du mir auf?“

 

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.

Sacharja 2, 14           
 

Liebe Leserinnen und liebe Leser, natürlich habe ich diese Begegnung so nicht erlebt. Und ich rechne auch nicht damit, dass Gott eines Nachts an meiner Tür klingelt und bei mir einziehen will. Aber wenn Er sich nicht so eindeutig zeigt, wie macht Er sich dann in meinem Alltag bemerkbar?

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte Gott klar fassen. Dann frage ich im Gebet: „Gott, wo bist Du gerade? Lass mich etwas von Deiner Gegenwart erahnen!“ Aber anstatt eine Antwort zu bekommen, bleibt es still. Scheinbar.
Denn in der Stille passiert oft etwas, das ich gar nicht bewusst merke.
Eines habe ich in der Begegnung mit Gott immer wieder neu erfahren: Er zeigt sich in meinem Leben selten so, wie ich es erwarte. Er mag es eben, zu überraschen. Oft erkenne ich Ihn erst im Rückblick. Das gilt für die schönen Momente genauso wie für die schweren. Doch mit etwas Abstand erkenne ich dann: Ja, Gott war da, wenn auch anders, als ich es erwartet hatte.

Wir gehen auf Weihnachten zu. Und durch die Adventszeit begleitet uns der Monatsspruch aus Sacharja 2,14: „Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.“
Gott will bei uns wohnen. Wie er kommt, das haben wir nicht in der Hand. Da müssen wir uns überraschen lassen, so wie schon vor 2000 Jahren die Menschen in Bethlehem.

Aber wir können Ihm die Tür öffnen. Wir können Ihm Platz zum Wohnen bei uns lassen, indem wir aufmerksam für Zeichen seiner Gegenwart in unserem Alltag werden. Dann stellt sich wirklich Freude ein, wenn Er plötzlich da ist und sagt: „Ich komme, um bei dir zu wohnen. Machst du mir auf?“

Im Namen der Mitarbeitenden wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,

Ihr Pfarrer Sebastian Kreß