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Andacht

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für ihre Glieder.

Sprüche 16,24

Liebe Gemeinde!

Das ist der Spruch für den Monat Juni. Etwas eigenartig im Klang, in der Vorstellung, so dachte ich zunächst. Er ging mir nicht aus dem Sinn. Sofort hatte ich noch einen anderen im Kopf: „Da will dir jemand Honig ums Maul schmieren.“ Da gehen bei mir alle Warnleuchten an. Denn mit diesen Worten wird ausgedrückt, dass mich jemand beschwatzen will. Da beschönigt einer alle möglichen Mängel oder redet sie ganz weg, Mängel an einer Ware, die ich kaufen soll oder Unstimmigkeiten an einer Idee, von der er mich überzeugen will. Da werde ich skeptisch.

Kann es sein, dass wir es deshalb oft schwer haben, freundliche Worte anzunehmen? Erscheint uns Freundlichkeit deshalb überhaupt verdächtig oder doch zumindest harmlos, kraftlos, fürs reale Leben ungeeignet?
Es wäre schade.
Dieser Spruch jedenfalls will uns auf eine andere Fährte setzen.
Zunächst: Was ist eigentlich „Honigseim“? Das Wort mit seinem Klang weckt bei mir eine Vorstellung, die ich aber schwer beschreiben kann. Ich habe nachgeschaut und gefunden: „Seim“ hat mit Sämigkeit zu tun. Es geht um ungeläuterten Honig, so wie er dickflüssig aus der Wabe rinnt oder auch vom Löffel in die Teetasse. Schon spüre ich die Süße auf der Zunge, eine besondere Süße, in der sich das Aroma von Blüten und Früchten andeutet. Honig tut der Zunge gut und auch dem Gaumen. Manche Heilung im Rachenraum schreibe ich ihm zu.
So sind freundliche Reden für die Seele. Schätzen wir das nicht gering. Viele Worte werden täglich gewechselt. Informationen müssen ausgetauscht werden, über nötiges Handeln müssen wir uns verständigen. Aber die Worte transportieren mehr als Informationen. Sie geben auch Stimmungen und Gefühle wieder. Und nicht nur das. Sie beeinflussen auch. Aggressivität weckt neue Aggressivität. Und Lustlosigkeit erzeugt selten Lebensfreude bei anderen.
Natürlich brauchen wir Klarheit im Um-gang miteinander. Manchmal müssen Dinge angesprochen werden, die nicht in Ordnung sind. Aber der Ton muss deshalb nicht unfreundlich sein.
Wenn ich schon am Morgen eine freundliche, zugewandte Stimme höre, wenn ich spüre, dass Grüße und Wünsche wirklich mir gelten, dann geht es mir gut. Meine Seele lebt dann auf und bekommt süße Nahrung.
Wie Honig kann auch Freundlichkeit Wunder wirken und heilen. Probieren wir es aus, miteinander, in der Gemeinde, ja überall, wo wir leben und Menschen treffen.

Mit freundlichen Grüßen MichaelSchleinitz