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Friedensdekade

Wie die Folgen einer Pandemie sind auch Kriege und ihre Folgen lange spürbar. Sie reichen weit, sowohl zeitlich als auch räumlich. Mehr als deutlich wird das heutzutage zum Beispiel im Blick auf den Bürgerkrieg in Syrien. Dieser Bürgerkrieg, der angesichts der Machtinteressen, die dort ausgetragen werden, eher als Stellvertretungskrieg bezeichnet werden müsste.

Die Zerstörung und das große Leid, die durch diesen Krieg angerichtet werden, die Folgen, auch die Fluchtbewegungen, die dieser Krieg immer weiter verursacht, werden noch lange nachwirken. Nachwirken und u.a. eine Aufgabe nötiger Hilfeleistungen der internationalen Völkergemeinschaft bleiben. Kriege und ihre Folgen sind lange spürbar.
Oft in ganz unmittelbarer Nähe wird das am Engagement der Nagelkreuzgemeinschaft und des internationalen Nagelkreuz-Netzwerks anschaulich. Über 75 Jahre liegt das Ende des Zweiten Weltkriegs nun zurück, doch die Aufarbeitung des schrecklichen Leids, das da von Deutschen verursacht worden ist, dauert an und wird als wichtige Zukunfts-Aufgabe bleiben.

Gerade angesichts dessen ist es so wichtig, diese andere Perspektive einzunehmen und auch die Frage zu stellen, die das Motto der diesjährigen FriedensDekade vorgibt: die Frage nach der Reichweite des Friedens. Wie weit reicht der Frieden? Oder: Wenn man für den Frieden eine Reichweite angeben sollte, wie könnte diese Reichweite beschrieben oder angegeben werden? – Das diesjährige Plakatmotiv veranschaulicht eine umfassende, weltumspannende Reichweite des Friedens. Eine Vision, ein Ziel für unser menschliches  Friedenshandeln.

Allen, die sich in der Friedensarbeit engagieren, ist klar, dass es eine Menge engagieren, ist klar, dass es eine Menge Sorgfalt und Einsatz erfordert, Frieden zu schaffen und Frieden zu erhalten. Zerstörungen sind schneller angerichtet und wirken von selbst fort. Der Frieden muss gewollt und bewusst gesucht und erhalten werden. Das ist mühsame Kleinarbeit. Doch dieser mühsame Weg der kleinen Schritte hin zum Frieden steht unter einer besonderen göttlichen Verheißung. Im Alten oder Ersten Testament erscheint diese Verheißung zum Beispiel in Jesaja 11 als Vision des messianischen Friedensreiches, in dem Kalb und Löwe, Kuh und Bärin friedlich zusammen weiden. Und wenn wir im Vaterunser beten:
„Dein Reich komme“, dann sprechen wir von der Sehnsucht nach dem Reich Gottes, wie Christus es verkündigt hat: ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit, eine Gemeinschaft mit Gott und untereinander, in der alle ihren Platz haben und in der alle satt werden.

Sicher ist solch umfassender, weltumspannender Friede letztlich eine Gabe Gottes. Doch diese Gabe, diese Vision und diese Verheißung geben uns für alles Irdische die Zielrichtung vor: die Reichweite des Friedens auf unserer Erde so groß und weit werden zu lassen, wie nur irgend möglich.

Oberkirchenrätin Dr. Dorothee Godel, Referentin für Fragen öffentlicher Verantwortung der Kirche, Kirchenamt der EKD, Hannover

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